Projekt Silent-PC: Festplatten Print
Saturday, 23 November 2002 of Joker

Einleitung

Mit dem Abschluss des dritten Teils unseres Silent-PC-Projekts haben wir den PC bereits so leise bekommen, dass die von der Geräuschentwicklung eigentlich sehr leisen Festplatten zum lautesten Geräusch im PC geworden sind.
Natürlich geben wir uns erst zufrieden, wenn auch dieses Geräusch so weit als möglich eliminiert wurde. Wir werden in diesem Tutorial ausprobieren, was man mit ganz einfachen Methoden zur Festplatten-Geräuschminderung beitragen kann.

Die Idee

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Die Idee, die wir hier verwirklichen möchten ist nicht neu- wir wollen die Festplatten akustisch vom Gehäuse entkoppeln, so dass sie keine Geräusche mehr an das Gehäuse übertragen können.
Dazu wollen wir die Festplatte schwingungsfähig im PC montieren.

Dass solche eine Schwingungslagerung sehr effektiv ist, sieht man deutlich an der Vielzahl der professionellen Produkte auf dem Markt, die so etwas bewerkstelligen.

Aber selberbauen macht immer noch mehr Spaß als einfach kaufen, darum werden wir in diesem Guide eine schwingende Festplattenlagerung selbst bauen.
Oben seht ihr die beiden Festplatten in meinem Gehäuse, wie sie vor dem Umbau eingebaut waren.

Es handelt sich um:
1x Seagate Barracude ST360021A (60 GB) und
1x Western Digital WD400BB (40GB)

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Um die Festplatten schwingend lagern zu können, ist leider ein 3,5" Einbauschacht nicht ausreichend.

Die Festplatten werden in die 5,25" Einbauschächte umziehen müssen. In meinem Gehäuse sind noch drei solche Schächte frei, ideal also, um die Festplatten dort zu verbauen.

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Für die Lagerung benötigen wir lediglich 4 handelsübliche Einmachgummis-
Zu Haben sind diese in jedem Haushaltswarenladen, in meinem Fall habe ich sogar zuhause noch welche gefunden.
Diese werden wir verwenden, um daraus Halterungen zu bauen, in denen die Festplatten zwar gut befestigt sind, aber immer noch zu einem gewissen Teil schwingen können.
Die Vibrationen, die durch die Motoren in der Festplatte erzeugt werden, können sich somit nicht mehr auf das Gehäuse übertragen, und sollten wesentlich leiser werden.

Man hört immer wieder, dass durch eine schwingende Lagerung die Performance der Festplatte schlechter werden soll.Diese Problematik wollten wir natürlich austesten, und haben daher vor dem Umbau der Platten die Performance mit dem Tool HD-Tach 2.61 getestet.

Unten sind die Ergebnisse der beiden Festplatten zu sehen.
Schreiten wir nun zum Umbau, und messen hinterher noch einmal.

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Der Umbau

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Wir schon auf der letzten Seite zu sehen war, habe ich die Seite der 5,25" Halterungen mit Schwerschichtdämmmatten beklebt.
Daher musste ich in meinem Fall zunächst Löcher in die Matten schneiden, um die Einmachgummis später befestigen zu können.
Dies ist natürlich im Normalfall nicht nötig.

Die Löcher werden benötigt, um später die Gummihalterungen dort zu befestigen. Auch nahezu jedes andere Gehäuse sollte geeignete Löcher in den Seitenteilen der 5,25" Schächte haben, beispielsweise besitzt das CS-601-Gehäuse runde Löcher in den Schächten, die ideal für das Vorhaben geeignet sind.

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Das Stück an den Einmachgummis, an denen man sie normalerweise anfässt, ist für unser Vorhaben störend, und wird daher herausgeschnitten.
Achtet darauf, dass die Gummis die ihr verwendet keine Risse von einer evtl. längeren Lagerung aufweisen, da sonst die Gefahr besteht dass sie reissen könnten.

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Für jede Festplatte werden zwei Gummihalterungen gebaut.
Dazu werden die Gummis wie auf dem Bild zu sehen zwischen den Seitenwänden der Laufwerksschächte eingespannt.

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Zur Befestigung habe ich die Gummis einfach auf der Aussenseite verknotet.
Damit gewinnt man zwar sicher keinen Schönheitspreis, aber es erfüllt seinen Zweck voll und ganz.
Man sollte versuchen, die Halterungen so straff wie möglich zu machen, damit die Festplatten später nicht zu locker sitzen.
Falls die Gummis zu lang sind, schneidet man überflüssige Stücke nach dem verknoten ab.

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Falls weitere Platten eingebaut werden sollen, geht man natürlich entsprechend wie oben vor.
Damit die Platten später nicht verrutschen können, habe ich noch an jeder Gummihalterung zwei Kabelbinder angebracht, die die beiden Stränge zusammendrücken.
Die Kabelbinder sollten so festgezogen werden, dass sie gerade noch auf den Gummihalterungen verschiebbar sind.

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Nun können die Platten bereits eingebaut werden.
Dazu werden sie vorne und hinten in die Halterungen eingehängt, und die Kabelbinder danch so nah wie möglich in Richtung der Festplatten geschoben.
Die Platten sind so fest genug eingebaut, dass auch ein Transport des Rechners problemlos möglich ist.

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Nun müssen die Platten nur noch wie gewohnt verkabelt werden.
Dabei sollte man darauf achten, dass die Kabel in der Nähe der Festplatten nicht am Gehäuse anliegen.


Geräuschtest

Kommen wir nun zum wichtigsten Ergebnis:
Der Geräuschminderung.

Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass mich das Ergebnis wirklich überrascht hat.
Wie man nach dem Einschalten des PCs sofort feststellt, bringt die schwingende Lagerung der Festplatten eine enorme Geräuschreduzierung:

Das Laufgeräusch der Festplatten, das durch die sich drehenden Teile verursacht wird, ist nur noch zu hören, wenn man sich absolut darauf konzentriert.
Das Klackern, was beim Zugriff auf die Platten entsteht, ist schätzungsweise um ca. 50% gesunken, und somit auch kaum mehr wahrzunehmen.
Der PC ist nun wirklich so leise, dass er so gut wie nicht mehr zu hören ist!

Nun könnte man auf die Idee kommen zu fragen, wo denn der Haken an der Sache ist. Wie anfangs schon erwähnt, könnte die Performance der Festplatte durch den nicht mehr starren Einbau gelitten haben.
Hier ist zunächst noch einmal das Ergebnis vor dem Umbau zu sehen:

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Zum Vergleich, hier die Ergebnisse nach dem Umbau:

04_hdd_st360021a_0204_hdd_wd400bb_02

Wie man deutlich sehen kann, sind die Unterschiede minimal. Die Zugriffszeiten ändern sich so gut wie gar nicht, auch nicht die Ergebnisse beim Lesen im Burst-Modus.
Lediglich die Streuung der Werte beim sequentiellen Lesen ist etwas größer als vor dem Umbau.
Im praktischen Betrieb fällt dies jedoch absolut nicht auf.

Einen einzigen kleine Haken hat die Sache aber doch: Da die Festplatte nicht mehr in direktem Kontakt mit dem Gehäuse steht, kann die entstehende Wärme auch nicht an das Gehäuse weitergegeben werden.
Dies resultiert in einer etwas höheren Temperatur der Festplatte, wie die beiden nachfolgenden Messungen (Motherboard-Monitor) zeigen:

Temperatur vor dem Umbau:

04_hdd_tempbefore

Temperatur nach dem Umbau:

04_hdd_tempafter

Die angezeigte HDD-Temperatur ist die Temperatur der Seagate-Platte. Die Western-Digital Platte besitzt leider keinen Temperatursensor.
Wie man sieht ist die Temperatur der Seagate 4°C höher als vorher, aber immer noch absolut im grünen Bereich.
Bei der Western-Digital Platte sollte das Ergebnis ähnlich sein.

Fazit

Es ist geschafft!
Der PC ist so nun tatsächlich so leise, dass er kaum noch wahrnehmbar ist.
Beim Einschalten nimmt man das kurze Klackern der CD-ROM Laufwerke noch wahr, daran wird sich leider nichts ändern lassen.
Im idle-Betrieb ist ausser dem leisen Summen der Radiator-Lüfter nichts mehr zu hören.
Die Festplatten-Zugriffe sind immer noch hörbar, aber nur so leise, dass es nicht mehr störend ist.
Da die Radiator-Lüfter standardmässig auf 7V geschaltet sind, ist das Restgeräuch ein sehr gleichmässiges Rauschen, das einem kaum mehr auffällt.